Geburt zu Hause

Schon gewusst? Bei jeder Geburt eines Kindes muss gesetzlich eine Hebamme hinzugezogen werden!
Sie ist Fachfrau für den natürlichen Verlauf von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Derzeit bekommen etwa 7% aller Frauen ihre Kinder ohne Interventionen, jede dritte Geburt wird eingeleitet, jede dritte Gebärende wird mit Wehenmittel unterstützt, mehr als die Hälfte erhält eine Anästhesie, bei einem Drittel der Gebärenden wird ein Dammschnitt durchgeführt und das Kind jeder dritten bis vierten Frau erblickt per Kaiserschnitt das Licht der Welt – die große Mehrheit könnte ihr Kind jedoch normal und ohne Eingriffe gebären. Eine kontinuierliche, einfühlsame und evidenzbasierte „Eins-zu-Eins-Betreuung“ kann diesen an sich natürlichen Vorgang unterstützen.

Solch eine „runde“ Betreuung hat für mich oberste Priorität. Deshalb möchte ich euch nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch bei der Geburt, im anschließenden Wochenbett und während der ganzen Stillzeit über, mit Rat und Tat zur Seite stehen.

ARGUMENTE FÜR EINE HAUSGEBURT:

  • freie Wahl des Geburtsortes für gesunde Schwangere
  • Sicherheit für Mutter und Kind – bei einer gesunden Frau mit unauffälliger Schwangerschaft ist eine geplante außerklinische Geburt genauso sicher für Mutter und Kind wie eine Geburt im Krankenhaus
  • kontinuierliche Betreuung von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett ohne wechselnde Bezugspersonen – gemeinsame Vertrauensbasis
  • 1:1 Betreuung während der Geburt – ungeteilte Aufmerksamkeit für Mutter und Kind tragen maßgeblich einerseits zum Wohlbefinden als auch zur Sicherheit bei
  • Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit der Geburt – „gebären“ anstatt „entbunden werden“
  • geschützte Privat- und Intimsphäre in den eigenen vier Wänden ohne äußerliche Störfaktoren fördern den Geburtsverlauf
  • freie Wahl der Gebärpositionen
  • kein Zeitdruck bei regelrechtem Geburtsverlauf
  • kein Ortswechsel vor und nach der Geburt
  • seltener medizinische Eingriffe wie z.B. ein Dammschnitt
  • weniger gestresstes Geborenwerden der Kinder durch Verzicht auf Schmerzmedikation – in Folge leichtere kindliche Anpassung an das Leben außerhalb der Gebärmutter
  • Unterstützung der Familienwerdung z.B. durch mögliche Anwesenheit der Geschwisterkinder
  • hoher Stillerfolg

GRUNDVORAUSSETZUNGEN FÜR EINE HAUSGEBURT:

    • unauffälliger gesunder Schwangerschaftsverlauf ohne Risikofaktoren wie z.B. (Schwangerschafts-) Diabetes, Bluthochdruck, Blutgerinnungsstörungen oder Präeklampsie
    • Kind in Schädellage (keine Beckenendlagen, keine Mehrlinge)
    • Termingeborenes Kind – d.h. Geburt ab 37+0 bis spätestens 42+0 SSW
  • niemand der Beteiligten geht ein unnötiges Risiko ein – im Falle von Zweifel, Unsicherheit, Wunsch der Frau oder eines nicht regelrechten Geburtsverlaufs wird die Verlegung ins Krankenhaus veranlasst – nach Möglichkeit in Ruhe und nicht akut

NACHTEILE GEBURT ZU HAUSE:

  • wertvoller Zeitverlust im Falle einer Verlegung
  • keine Schmerzmedikation, keine PDA – stattdessen physikalische Maßnahmen wie Wärme, Wasser und Massagen
  • private Kostenbeteiligung: Selbstbehalt ca. 1.500 € (exkl. Kilometergeld à 0,50 €/km)

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:

  • 1-2% der Geburten in Österreich finden zu Hause in den eigenen vier Wänden statt
  • 84 % der außerklinisch geplanten und begonnen Hausgeburten werden auch vorort beendet
  • 92 % der geplant außerklinisch begonnenen Geburten enden vaginal (inkl. den ins Krankenhaus verlegten Geburten)
  • die Verlegungsrate liegt bei etwa 16 %
    • 31 % der Erstgebärenden
    • 7 % der Mehrgebärenden
  • die häufigsten Verlegungsgründe während einer Hausgeburt sind:
    • 38 % Geburtsstillstand in der Eröffnungsperiode / protrahierte Geburt
    • 8 % vorzeitiger Blasensprung
    • 13 % auffällige kindliche Herztöne

KOSTEN:

    • Kosten in Abhängigkeit von Betreuungsumfang (Anzahl und Dauer der Hausbesuche), Entfernung, Geburtsmodus
    • 2.300,- € gesamt (ø 4 Treffen in der Schwangerschaft, Rufbereitschaftspauschale, Geburtspauschale, Material, ø 7 Wochenbettbesuche – exkl. Kilometergeld)
    • Rückerstattung seitens der Krankenkasse ca. 800,- € (exkl. Kilometergeld)
  • Selbstbehalt ca. 1.500,- € (exkl. Kilometergeld von 0,50 € pro gefahrenen Kilometer)
  • aktuelle Kassentarife seit 1.1.2019

PLANUNG:

    • Anfragen einer Hebamme so früh wie möglich in der Schwangerschaft (z.B. im Rahmen der kostenlosen Mutter-Kind-Pass Hebammenberatung in dern 18.-22. SSW)
    • vorsorgliche Anmeldung in einer nahegelegenen Geburtsklinik in der 38. SSW im Falle einer Verlegung (Verlegungsrate bei außerklinischen Geburten ca. 16,3 %)
    • kontinuierlicher, monatlicher Kontakt mit der Hebamme im Laufe der Schwangerschaft (mind. 4 Treffen) sowie gewissenhafte Wahrnehmung der ärztlichen Schwangerenvorsorgen

BETREUUNGSUMFANG:

    • max. 7 Treffen in der Schwangerschaft sowie max. 12 Hausbesuche im Wochenbett werden von den Krankenkassen mitgetragen (31,04 € pro Treffen exkl. Kilometergeld)
    • Geburtsbegleitung (Kostenrückerstattung seitens der Krankenkasse bis zu 347,20 € – je nach Geburtsmodus)
  • 5-wöchige Rufbereitschaft 24 Stunden täglich von 37+0 bis 42+0 SSW (Kostenrückerstattung seitens der Krankenkasse von 160,- € – Pauschalbetrag, stellt eine Anzahlung dar)

AUSZUG AUS DEM ÖSTERREICHISCHEN HEBAMMENGESETZ

§ 2 (1) Der Hebammenberuf umfasst die Betreuung, Beratung und Pflege der Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerin, die Beistandsleistung bei der Geburt sowie die Mitwirkung bei der Mutterschafts- und Säuglingsfürsorge.

§ 3 (1) Jede Schwangere hat zur Geburt und zur Versorgung des Kindes eine Hebamme beizuziehen.

§ 4 (1) Bei Verdacht oder Auftreten von für die Frau oder das Kind regelwidrigen und gefahrdrohenden Zuständen während der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts, darf die Hebamme ihren Beruf nur nach ärztlicher Anordnung und in Zusammenarbeit mit einer Ärztin/einem Arzt ausüben.

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Quellen:

Loytved, Chrisitne (2017): Außerklinische Geburtshilfe in Deutschland – Qualitätsbericht 2016. Hg: Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.V., 1. Auflage

QUAG (2016): Infobroschüre „Zu Hause und im Geburtshaus“

Bundesgesetz über den Hebammenberuf (Hebammengesetz – HebG), BGBl Nr. 310/1994

Janssen PA, Saxell L, Page LA, Klein MC, Liston RM, Lee SK Outcomes of planned home birth with registered midwife ver- sus planned hospital birth with midwife or physician. CMAJ. 2009 Sep 15; 181 (6–7): 377–383

de Jonge A, van der Goes BY, Ravelli AC, Amelink-Verburg MP, Mol BW, Nijhuis JG, Gravenhorst JB, Buitendijk SE. Perina- tal mortality and morbidity in a nation- wide cohort of 529 688 low-risk plan- ned home and hospital births. BJOG. 2009 Apr 15